Ein Pferd wird immer ohne Reiter geboren...

Von Natur aus ist der Pferderücken nicht zum Tragen eines Reiters konzipiert. Betrachtet man die Wirbelsäule, so stellt man schnell fest, dass diese bereits aufgrund ihrer horizontalen Ausrichtung und des Eigengewichts des Rumpfes zum Durchhängen neigt.

Ohne die entsprechend trainierte Bauch- und Rückenmuskulatur, sowie das Nacken- und Rückenband, wäre das Pferd nicht einmal in der Lage, den Reiter zu tragen, geschweige denn, sich mit ihm zusammen zu bewegen. Nur das geschmeidige Zusammenspiel vieler paariger Muskeln ermöglicht eine Fortbewegung mit und natürlich ohne den Reiter.

Genau diese Muskeln gilt es zu kräftigen und auf ihren Einsatz vorzubereiten. Geschieht dies nicht, oder nur unzureichend, können zunächst lokal begrenzte Muskelverspannungen auftreten, die sich nach Wochen bzw. Monaten zu Muskelkettenreaktionen auswachen können. Das Pferd kompensiert eine lokale Muskelverspannung dadurch, dass es andere Strukturen oder Muskelgruppen in Anspruch nimmt und auch diese werden früher oder später überfordert und verkrampfen. Wenn solche Störungen länger bestehen, wird es schwierig, die Ursache dafür auszumachen und abzustellen.

Symptome für Rückenschmerzen können sein:

- Ein ständig schlagender oder unruhiger Schweif

- Kopfschlagen und Widersetzlichkeit gegen die Reiterhand

- Klemmiger Gang

- Bocken

- Davonstürmen

- Instabile Anlehnung, Kopfschütteln

- Zurückziehen der Zunge usw.

Die Ursachen dafür sind ebenso vielfältig:

- Falsche Reitweise (Überbelastung durch mangelnde Rückenaufwölbung - Lordose)

- Harte Reiterhand ("Einrollen" von Hals/Genick, dadurch bedingte Muskelverspannungen bis hin zu Gelenkblockierungen)

- Unpassender Sattel

- Spondylose/Kissing spines

- Muskelentzündungen/Muskelfaserrisse/Traumata

- Frakturen im Bereich der Wirbelsäule

uvm.

Die "richtige" Reitweise beinhaltet die Dehnung des Nacken- und Rückenbandes UND die weit unter den Schwerpunkt tretende Hinderhand. Erst dann wird die gesamte Wirbelsäule wie ein Bogen gespannt und der Rücken aufgewölbt. Man spricht dann von einem "aktiven Rücken". Aber bereits schon ohne die wichtige Hankenbeugung funktioniert diese Konstruktion nicht mehr.

Der Reiter mag den Eindruck haben, dass das Pferd an seinen Hilfen steht, dies ist dann jedoch leider ein Irrglaube. Das gesamte Reitergewicht liegt nun auf der ungeschützten Wirbelsäule. Die Bauchmuskeln allein können das Gewicht nicht tragen und so verkrampft das Pferd reflektorisch auch seine Rückenmuskeln. Der Reiter merkt dies daran, dass er plötzlich nicht mehr sitzen kann und ruckelt hin und her. Ein Kreislauf entsteht, der schnellstmöglich unterbrochen werden muss.

Mir persönlich liegt nicht nur daran, bereits bestehende Probleme zu behandeln, sondern diesen schon frühzeitig vorzubeugen. Durch Erläuterungen der Biomechanik des Pferdes gegenüber dem Reiter sowie Anleitungen zur korrekten Reitweise lassen sich bereits im Vorfeld Mißverständnisse aus dem Weg räumen und vermeiden. Besonders wichtig erscheint mir eine pferdefreundliche und sanfte Reitweise, die wir dem Lebenwesen und Partner Pferd schuldig sind.

Gerne gebe ich im Anschluss bzw. zwischen den Behandlungsterminen gezielte Trainingsanleitungen, die den Therapieerfolg zusätzlich unterstützen können!